Diese Woche war ich vom 21. bis 23. Oktober 2026 als Gutachter in der Auswahlsitzung des DAAD zur Transnationalen Bildung (TNB), für die Programmlinien „TNB-Studienangebote“ und „TNB-STEP“. In diesen Programmen bauen deutsche Hochschulen gemeinsam mit Partnerinstitutionen Studiengänge im Ausland auf: vom Curriculum über die Akkreditierung bis zum laufenden Betrieb eines Studiengangs, der eines Tages auf eigenen Füßen stehen muss.
Wie die Auswahl abläuft
Jeder Antrag wird schriftlich begutachtet, entlang fester Kriterien: Relevanz und institutionelle Basis, Projektplanung, Nachhaltigkeit und Wirkung, Diversität und Inklusion, klimasensible Projektgestaltung sowie Budget. In der Auswahlsitzung selbst, in diesem Jahr online, diskutiert die Kommission jeden Antrag, wägt die Gutachten gegeneinander ab und kommt zu einer gemeinsamen Empfehlung. In diesem Jahr hat uns der DAAD gebeten, auf zwei Aspekte besonders zu achten: Wissenssicherheit und den Beitrag der Programme zur Gewinnung von Fachkräften.
Was den Unterschied macht
Ohne auf einzelne Anträge einzugehen, sind mir einige Muster aufgefallen:
- Starke Partnerschaften sind der Ausgangspunkt, nicht das Unterscheidungsmerkmal. Die meisten Anträge beruhen auf einer glaubwürdigen akademischen Zusammenarbeit. Was sie unterscheidet, ist, wie konkret sie zeigen, dass der Studiengang in der Praxis funktioniert.
- Nachfrage braucht Belege. Ein allgemeiner Fachkräftemangel in einer Region ist nicht dasselbe wie Studierende, die sich einschreiben und sich das Studium leisten können.
- An die Zeit nach der Förderung denken. Die überzeugendsten Anträge zeigen mit Zahlen, wie der Studiengang finanziert wird, wenn die DAAD-Förderung endet.
- Fokus schlägt Breite. Lange Maßnahmenlisten überzeugen weniger als eine klare Priorität auf das, was der Studiengang wirklich braucht.
- Inklusion messbar machen. Gute Absichten zur Diversität werden glaubwürdig durch Ziele, Zuständigkeiten und Wege, den Fortschritt zu überprüfen.
- Wissenssicherheit ist eine Gestaltungsfrage. Sie funktioniert am besten, wenn sie von Anfang an in die Kooperation eingebaut ist, statt am Ende als Checkliste ergänzt zu werden.
Warum ich das mache
Begutachten kostet Zeit, ist aber eine der besten Möglichkeiten zu sehen, wie internationale Hochschulbildung gerade gestaltet wird, und es schärft meinen eigenen Blick dafür, was einen Antrag überzeugend macht. Herzlichen Dank an das DAAD-Team für die hervorragende Organisation und an meine Kolleginnen und Kollegen in der Kommission für drei Tage sorgfältiger Diskussion.